MBOR

Ohne „Grauzone“ zurück in den Beruf 

 

Mit ihrem Konzept zur „Medizinisch-Beruflich-Orientierten Rehabilitation (MBOR)“ hilft die Celenus Klinik für Neurologie Hilchenbach ihren Rehabilitanden, möglichst nahtlos den Weg zurück ins Arbeitsleben zu finden. 


Rund 80 % aller Rehabilitanden im erwerbsfähigen Alter verbleiben nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung Bund nach einer Rehabilitation im Berufsleben. Vor dem Hintergrund steigender Lebensarbeitszeit und erhöhter Anforderungen des Arbeitsmarktes ist die Re-Integration von Rehabilitanden in die Berufswelt eine der größten Herausforderungen für die Rehabilitation. Die Celenus Klinik für Neurologie Hilchenbach hat sich dieser Aufgabe bereits seit Oktober 1997 gestellt und eine eigene Abteilung für Arbeitstherapie ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, dem Rehabilitanden durch berufsfeldnahe Arbeitsplatztrainings und berufsorientierte Maßnahmen den Weg zurück ins Arbeitsleben zu erleichtern. Durch Kooperationen unter anderem mit weiteren Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation, Integrationsfachdiensten, Arbeitsämtern und privaten Anbietern entstand seit 2006 ein Netzwerk für ein interdisziplinäres stationäres und poststationäres Fallmanagement mit einem eigenständigen Konzept: die „Medizinisch-Beruflich-Orientierte Rehabilitation“, kurz MBOR-Rehabilitation. 

Sie soll Rehabilitanden bereits während der medizinischen Rehabilitation in Hilchenbach individuell den Weg in die berufliche Zukunft ebnen und einen nahtlosen Übergang in die berufliche Rehabilitation ermöglichen. Sich um die „Grauzone“ zwischen Rehabilitation und Arbeitsleben zu kümmern, ist in neurologischen Rehabilitationseinrichtungen dabei keineswegs üblich. Die Celenus Klinik für Neurologie Hilchenbach gehört zu einem kleinen Kreis von Kliniken in Deutschland, die Arbeitstherapie und Medizinisch-Beruflich-Orientierte Rehabilitation in dieser Art anbieten. 

 

Bedarf wächst stetig weiter 

Die Therapeuten der Arbeitstherapie in der Celenus Klinik für Neurologie Hilchenbach haben viel zu tun. Denn die Leistungen dieser Abteilung sind in der Klinik sehr gefragt. Ihre Aufgabe ist es, in enger Absprache mit einem interdisziplinären Team die MBOR-Rehabilitation durchzuführen. Die Zahl der Rehabilitanden hat sich hier in den vergangenen zwei Jahren fast verdoppelt. Durchschnittlich 70 Rehabilitanden werden von den Ergotherapeuten in der Arbeitstherapie betreut. Für Diagnostik und Therapie können alle Instrumente der beteiligten Abteilungen innerhalb der Klinik genutzt werden. Für Arbeitsplatztrainings stehen eine Werkstatt für Holz-und Metallarbeiten mit entsprechenden Werkzeugen und zwei Bürotrainingsräume mit insgesamt fünf PC-Arbeitsplätzen zur Verfügung. Des Weiteren hält die Klinik für interne Arbeitsplatztrainings eigene Ressourcen (z.B. Rezeption, Cafeteria, Küche, Hauswirtschaft, technische Dienste, Pflege etc.) bereit. 

 

Diagnostik kommt vor Training 

Doch nicht alle Rehabilitanden kommen für das MBOR-Projekt in Frage. Wer teilnehmen will, muss im erwerbsfähigen Alter sein und bestimmte medizinische wie therapeutische Grundvoraussetzungen erfüllen, die gegebenenfalls mittels neuropsychologischer und arbeitstherapeutischer Diagnostik geprüft werden. Dazu gehören: 

• Selbstständigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) 

• Eignung zur MELBA-/IDA-Diagnostik 

• Prinzipiell mögliche berufliche Wiedereingliederung 

• Zumindest ausreichende verbale und schriftsprachliche Kommunikationsfähigkeit 

Bei Aufnahme in die MBO-Rehabilitation erfolgt eine Berufsanamnese durch den aufnehmenden Arzt, den Arbeitstherapeuten und den Sozialdienst. In Rücksprache mit dem Behandlungsteam wird darüber hinaus ein Fähigkeitsprofil des Rehabilitanden erstellt. Zusätzlich werden weitreichende Informationen zur beruflichen Situation des Rehabilitanden gesammelt. Diese Informationen können später in anderem Zusammenhang (z.B. zur Übermittlung von Informationen an Kooperationspartner) genutzt werden und sind Teil des medizinischen Abschlussberichtes der Maßnahme. 

 

Therapie arbeitet übergreifend 

Nach der (positiven) Eingangsdiagnostik beginnt für den Rehabilitanden eine individuell an seinen Fähigkeitsstörungen orientierte abteilungsübergreifende Therapie, bei der alle therapeutischen Ressourcen der Klinik multiprofessionell genutzt werden. Dazu gehören Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie, Physiotherapie, Sozialdienst sowie die umfangreichen medizinisch-diagnostischen Möglichkeiten der Klinik. Die Arbeitstherapie koordiniert und steuert die Schritte der Therapie und der beruflichen Eingliederung und dokumentiert sie durch die Programme MELBA (Merkmalprofile zur Eingliederung Leistungsgewandelter und Behinderter in Arbeit) und IDA (Instrumentarium zur Diagnostik von Arbeitsfähigkeiten). 

Für den Rehabilitanden stehen Arbeitstrainings in der hauseigenen Holz-und Metallwerkstatt oder an eigens eingerichteten Computer-und Büroarbeitsplätzen auf dem Therapieprogramm. Darüber hinaus bietet die Celenus Klinik für Neurologie Hilchenbach auch in internen Arbeitsbereichen gewerbliche und kaufmännische Arbeitstherapien an. So werden die Fähigkeiten des Rehabilitanden im Hinblick auf einen realen Arbeitsplatz und dessen Ausgestaltung geprüft. 

Begleitend finden regelmäßig Sozialmedizinische Beratungsgespräche statt, in denen Rehabilitand und Arbeitstherapie, ergänzend auch Sozialdienst, Reha-und Berufshelfer sowie der Kostenträger sich ein Bild vom Verlauf der MBO-Rehabilitation machen. Hier wird auch entschieden, ob die Maßnahme gegebenenfalls als stationärer Aufenthalt verlängert oder ambulant fortgeführt werden kann. Ab der dritten Behandlungswoche kann dann eine Belastungserprobung folgen. Dazu arbeiten die Experten aus Hilchenbach unter anderem mit Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation zusammen, die den Berufsalltag noch weit besser abbilden können als die Klinik. Daraus entsteht je nach Situation des Rehabilitanden der Vorschlag für eine Umschulung, berufliche Qualifizierungsmaßnahme, neue Berufsfindung oder Re-Integration in die alte Arbeitsstelle. 

 

Integrationsfachdienste vermitteln 

Im Rahmen des MBOR-Projekts bestehen seitens der Klinik Kontakte zu vielen weiteren Einrichtungen und Partnern, z.B. den Behindertenwerkstätten, der Fortbildungsakademie der Wirtschaft FAW, der Bundesagentur für Arbeit und den Berufsgenossenschaften. Dazu kommen enge Kontakte zur Wirtschaft. So werden bei Einverständnis von Rehabilitand und Arbeitgeber im Umkreis von bis zu 50 Kilometern Arbeitsplatzbesichtigungen durchgeführt, um ein individuelles berufliches Anforderungsprofil zu erstellen. Die konsequente Ausnutzung aller bestehenden Kontakte, Kooperationen und Möglichkeiten zum Nutzen des Rehabilitanden macht den Vorteil der Medizinisch-Beruflich-Orientierten Rehabilitation aus. Besonders eng ist die Kooperation mit den Integrationsfachdiensten (IFD), die sich als Dienstleister um die Wiedereingliederung von Rehabilitanden kümmern. Sie haben die gesetzliche Aufgabe, Menschen mit Behinderungen und Arbeitgeber zu informieren und zu unterstützen, um eine Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Als Dienste Dritter, z.B. in Trägerschaft von AWO, Lebenshilfe, aber auch als Privatunternehmen, werden sie durch die Integrationsämter koordiniert. Tätig sind sie jedoch übergreifend für die Bundesagentur für Arbeit (Vermittlung), das Integrationsamt (Begleitung, Sicherung eines Arbeitsplatzes) und die Rehabilitationsträger (z B. Eingliederung nach einem Unfall). Darüber hinaus können die Integrationsfachdienste bei drohendem Arbeitsplatzverlust vermitteln, vor Ort schauen, ob noch etwas „adaptiert“, das heißt geändert werden muss und den Arbeitgeber beraten.

 

Termin kurz nach der Entlassung 

Seitens der Celenus Klinik für Neurologie Hilchenbach wird der Integrationsfachdienst eingeschaltet, wenn Rehabilitanden mit Schwerbehinderungen (mehr als 50 Prozent anerkannter Behinderungsgrad) eine „positive Erwerbsprognose“ haben und zurück ins Arbeitsleben finden sollen. „Wir rufen mit dem Rehabilitanden beim Integrationsfachdienst seines Heimatortes an und vereinbaren einen Termin für ein Erstgespräch – spätestens eine Woche nach der Entlassung“. Der IFD kümmert sich dann vor Ort um den Erhalt und die Umgestaltung des alten Arbeitsplatzes oder vermittelt einen neuen bei ausgesuchten Firmen. Von der Kooperation profitieren alle: Wir kennen den Rehabilitanden und der IFD die Gegebenheiten vor Ort. Rund 25 Prozent aller MBOR-Rehabilitanden der Celenus Klinik für Neurologie Hilchenbach werden so weitervermittelt – und das bundesweit und mit Erfolg. Am besten aber klappt die Kooperation im Siegerland. Hier kommt der Integrationsfachdienst „Reselve gGmbH“ bei ambulanten Rehabilitanden aus der Region direkt zum Erstgespräch in die Klinik. Eine vorbildliche Initiative“, freut sich Manja Weisgerber, Abteilungsleiterin Ergotherapie, „sie schaffen es, 75 Prozent ihres Klientels am ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln – das ist immerhin Platz zwei in ganz Nordrhein-Westfalen.“ 

 

 

Detailliertere Informationen finden Sie auch im Faltblatt
„Medizinisch-Beruflich-Orientierte Rehabilitation (MBOR)“

Bild oben: Diagnostik vor dem Training: Mit Hilfe eingehender Prüfungen wird die Eignung des Patienten vor der MBOR geklärt. 


 

Detailliertere Informationen finden Sie auch im Faltblatt 
„Medizinisch-Beruflich-Orientierte Rehabilitation (MBOR)“